Kategorie: Rodauner Theater

  • Das Ermittlungsteam – Ordnung trifft auf Abgrund

    Das Ermittlungsteam – Ordnung trifft auf Abgrund

    Noch bevor die zentrale Figur der Ermittlungen selbst klar in Erscheinung tritt, ist ihr Team bereits präsent: die Gerichtsmedizinerin, Blocher und Guhl. Sie bringen Struktur in das Geschehen, arbeiten präzise, routiniert, fast unerschütterlich. Jeder Handgriff sitzt, jede Beobachtung folgt einem klaren System. Es ist die Welt der Analyse, der Fakten, der scheinbaren Eindeutigkeit.

    Gemeinsam bilden sie einen Apparat, der darauf ausgerichtet ist, Ordnung herzustellen – aus Chaos, aus Ungewissheit, aus dem, was sich zunächst nicht erklären lässt. Die Gerichtsmedizinerin blickt dabei dorthin, wo andere wegsehen würden, Blocher und Guhl sichern, dokumentieren, denken mit. Ein eingespieltes Team, das gewohnt ist, Antworten zu finden.

    Doch je tiefer sie in die Vorgänge der Klinik eintauchen, desto mehr gerät dieses System ins Wanken. Die vertrauten Abläufe beginnen zu greifen – und gleichzeitig ins Leere zu laufen. Denn was hier untersucht wird, folgt keiner Logik, die sich einfach entschlüsseln lässt.

    In unserer Inszenierung wird genau dieser Moment spannend: Wenn aus Sicherheit Irritation wird. Wenn klare Bewegungen zögerlich werden. Wenn aus Gewissheit Zweifel wächst. Das Team bleibt dabei zunächst in seinen Strukturen – und wird gerade dadurch Teil einer Welt, die sich nicht ordnen lässt.

    Christa Korlath und Norbert Kammerland als GERICHTSMEDIZINERIN und BLOCHER

    So entsteht ein stiller, aber eindringlicher Kontrast: zwischen dem Versuch, alles erklärbar zu machen – und der Erfahrung, dass manche Wahrheiten sich entziehen.

    Ein Ermittlungsteam auf der Suche nach Klarheit – und auf dem Weg in ein Terrain, in dem selbst die präziseste Methode an ihre Grenzen stößt.

  • Konzept und Körper: Unsere Figuren entstehen

    Konzept und Körper: Unsere Figuren entstehen

    Parallel zur intensiven Probenarbeit nimmt auch die visuelle Welt unserer Produktion immer konkretere Formen an. Einige Kostüme sind bereits weit fortgeschritten – ein idealer Zeitpunkt also für ein erstes Fotoshooting.

    OBERSCHWESTER MARTA BOLL (Iris Graf)

    Mit großer Neugier und ebenso viel Vorfreude haben wir unsere Figuren erstmals vollständig „sichtbar“ gemacht: Stoffe, Farben, Silhouetten und Körperhaltung greifen ineinander und lassen erahnen, wie stark die visuelle Ebene das Stück tragen wird.

    Pfelgerin DOROTHEA MOSER (Alice Zach), Pflegerin MONIKA STETTLER (Lisa Schmidt), Pflegerin IRENE STRAUB (Sarah Leicht)

    Besonders zufrieden sind wir bereits mit dem Erscheinungsbild des Pflegepersonals. Die klare Farbentscheidung für Schwarz, Weiß und Rot verleiht diesen Figuren eine strenge, beinahe uniforme Wirkung. Die Anlehnung an klassische Pflegekleidung bleibt erkennbar, gleichzeitig entsteht eine ästhetische Zuspitzung, die Autorität, Kontrolle und eine gewisse Kälte transportiert.

    Einen bewussten Kontrast dazu bilden die Bewohner:innen der psychiatrischen Klinik. Hier arbeiten wir mit Petrol, Orange und einem warmen Gelb als Leitfarben. Diese Palette eröffnet ein vielschichtigeres, emotionaleres Spektrum: Zwischen Wärme, Individualität und unterschwelliger Unruhe entsteht ein spannungsreiches Bild, das die Figuren in ihrer Eigenheit und Verletzlichkeit sichtbar macht.

    Das Fotoshooting war für uns mehr als nur eine Bestandsaufnahme. Es ist ein wichtiger Schritt im kreativen Prozess: Wir konnten sehen, wie Kostüm, Körper und Raumwirkung zusammenspielen – und wo noch nachgeschärft werden kann. Manche Details haben sich dabei ganz neu erschlossen, andere Ideen wurden bestätigt oder bewusst verworfen.

    Mit diesen ersten Bildern wächst die Vorfreude auf alles, was noch kommt. Die Welt unserer „Physiker“ beginnt, Form anzunehmen – und sie wird so eigenwillig wie das Stück selbst.

  • Zwischen Pflege und Macht – erste Gedanken zu den Kostümen

    Zwischen Pflege und Macht – erste Gedanken zu den Kostümen

    Parallel zur Arbeit am Text von Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt beginnt bei uns auch die visuelle Umsetzung der Inszenierung. Denn wie Figuren wirken, entscheidet sich nicht nur im Spiel – sondern ganz wesentlich auch im Kostüm.

    Für die verschiedenen Figurengruppen suchen wir nach einem klaren, markanten Erscheinungsbild. Besonders spannend ist dabei das Personal der Anstalt: Oberschwester, Pflegerinnen und Pfleger sowie Fräulein Doktor von Zahnd. Sie bilden nach außen hin Ordnung, Struktur und Kontrolle – und genau das soll sich auch visuell widerspiegeln.

    In ersten Experimenten hat sich ein kontrastreiches Farbkonzept herauskristallisiert: Schwarz und Weiß als Grundfarben, ergänzt durch gezielte rote Akzente. Die Kostüme erinnern einerseits an klassische Arbeitskleidung im Pflegebereich – klare Schnitte, funktionale Elemente, reduzierte Formen. Gleichzeitig kippt das Bild bewusst in Richtung Uniform: streng, kontrollierend, beinahe militärisch.

    Gerade dieser doppelte Boden interessiert uns: Pflege steht für Fürsorge – Uniform für Macht. Dazwischen bewegt sich diese Figurengruppe.

    Ein paar Ideen, die wir aktuell weiterdenken:

    • Strenge Silhouetten: Gerade Linien, klare Schnitte, kaum „weiche“ Stoffe. Das Personal wirkt dadurch wie ein geschlossenes System – fast austauschbar, funktional.
    • Hierarchien sichtbar machen:
      • Fräulein Doktor von Zahnd könnte sich durch subtil andere Materialien oder Schnitte abheben – etwa durch einen eleganteren, fast repräsentativen Mantel oder ein stärker strukturiertes Kostüm.
      • Die Oberschwester als „Scharnierfigur“ zwischen oben und unten: strenger als das Pflegepersonal, aber noch nicht so „herausgehoben“ wie von Zahnd.
    • Rote Akzente als Störmoment:
      Rot könnte punktuell eingesetzt werden – etwa als Naht, Handschuh, Lippenstift, Accessoire. Nicht dekorativ, sondern wie ein Hinweis auf das, was unter der Oberfläche brodelt: Kontrolle, Gefahr, vielleicht auch Gewalt.
    • Uniformierung vs. Individualität:
      Pflegerinnen und Pfleger könnten bewusst sehr ähnlich aussehen – fast identisch. Kleine Abweichungen (z. B. unterschiedlich getragene Elemente, minimale „Fehler“) könnten zeigen, dass unter der Oberfläche dennoch Individuen stecken.
    • Materialität:
      Glatte, leicht glänzende Stoffe (fast klinisch) im Kontrast zu raueren, „menschlicheren“ Materialien. Auch das könnte die Spannung zwischen Funktion und Persönlichkeit sichtbar machen.
    • Bewegung im Kostüm:
      Wie verhalten sich die Kostüme in der Bewegung? Rascheln sie? Sind sie starr? Gerade beim Pflegepersonal könnte eine gewisse Steifheit die Disziplin und Kontrolle unterstreichen.

    So entsteht Schritt für Schritt ein visuelles Konzept, das nicht nur „gut aussieht“, sondern die inhaltlichen Ebenen des Stücks weiterträgt. Denn auch hier gilt: Bei Dürrenmatt ist nichts nur Oberfläche.

  • Wenn Masken fallen – Arbeit an Szene 16

    Wenn Masken fallen – Arbeit an Szene 16

    In unserer aktuellen Regiebuchfassung gibt es eine ganz besondere Schlüsselszene: das „Geständnis dreier Physiker“.

    Bei der gemeinsamen Arbeit an dieser Szene haben wir gemerkt, wie sich plötzlich etwas verschiebt. Die Figuren, die zuvor vielleicht noch wie Rollen wirkten, beginnen sich zu entblättern. Haltungen kippen, Gewissheiten geraten ins Wanken, und zwischen den Figuren entsteht eine neue, fast greifbare Spannung.

    Bernd Gratzer bei der Probe von Szene 16 als NEWTON

    Was diese Szene so spannend macht: Sie lebt weniger von äußerer Aktion als von innerer Dynamik. Es ist ein konzentriertes Aufeinandertreffen – ein Ringen um Wahrheit, um Deutungshoheit, um das „Wer bin ich eigentlich?“ hinter den Fassaden. Genau hier wird sichtbar, wie fein Friedrich Dürrenmatt seine Figuren konstruiert hat: Jede Figur bringt ihre eigene Logik, ihre eigene Haltung und ihre eigene Form von „Vernunft“ mit.

    In der Arbeit daran haben wir viel ausprobiert: Wie verändert sich eine Szene, wenn sie ganz ruhig gespielt wird? Wann kippt sie ins Bedrohliche? Wann entsteht Humor – und wann bleibt einem das Lachen im Hals stecken? Gerade dieses Changieren zwischen Leichtigkeit und Abgrund macht den Reiz dieser Passage aus.

    Andreas Fischer als EINSTEIN bei der Probenarbeit zu Szene 16

    Für uns im Ensemble ist diese Szene ein erster Moment, in dem sich die großen Themen des Stücks bündeln – ohne sie schon auszusprechen. Vieles bleibt offen, vieles nur angedeutet. Aber genau darin liegt die Kraft: Man spürt, dass hier etwas Entscheidendes passiert.

    Und wir sind mittendrin im Entdecken.

  • Figuren im Fokus: Wer sind „Die Physiker“?

    Figuren im Fokus: Wer sind „Die Physiker“?

    Mit Die Physiker entwirft Friedrich Dürrenmatt ein bitterböses Kammerspiel über Verantwortung, Macht und die Grenzen der Wissenschaft. Im Zentrum stehen drei scheinbar verrückte Physiker – und doch ist nichts, wie es scheint.

    Johann Wilhelm Möbius gibt sich als genialer Wissenschaftler aus, der von König Salomo heimgesucht wird. Hinter der Fassade des Wahnsinns verbirgt sich jedoch ein klarer Entschluss: Möbius will seine gefährlichen Entdeckungen vor der Welt verstecken. Seine Entwicklung führt vom brillanten Forscher zum radikal Verantwortlichen, der bereit ist, sich selbst zu opfern.

    Herbert Georg Beutler alias Newton und Ernst Heinrich Ernesti alias Einstein erscheinen zunächst als skurrile Insassen, entpuppen sich aber als Spione konkurrierender Mächte. Beide stehen für die politische Instrumentalisierung von Wissenschaft. Ihre Figuren kippen vom scheinbar Harmlosen ins Bedrohliche – und zeigen, wie Wissen zur Waffe wird.

    Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd, die Leiterin der Anstalt, wirkt zunächst wie die ordnende Instanz. Doch gerade sie durchläuft die vielleicht erschreckendste Entwicklung: Aus der vermeintlich rationalen Ärztin wird eine machtbesessene Strippenzieherin, die die Erkenntnisse der Physiker für ihre eigenen Zwecke nutzt.

    Dürrenmatt zeichnet seine Figuren bewusst überzeichnet – und führt sie gleichzeitig in eine beklemmende Realität. Am Ende steht die zentrale Frage: Wer ist hier eigentlich verrückt – und wer trägt die Verantwortung für das, was aus Wissen wird?

    Und genau diesen Figuren sind wir in den Proben zuletzt mit viel Spielfreude auf den Grund gegangen: In einer launigen Einheit haben wir begonnen, die Charaktere erstmals wirklich „auf die Bühne zu stellen“, sie auszuprobieren, zuzuspitzen – und auch mit treffenden wie augenzwinkernden Bezeichnungen nicht gespart. Plötzlich wurden aus Textfiguren lebendige Persönlichkeiten. Dabei sind nicht nur spannende Ansätze für die Inszenierung entstanden, sondern auch einige herrlich schräge und lustige Fotos, die einen kleinen Blick hinter die Kulissen erlauben.

  • „Die Physiker“: Erste Leseproben

    „Die Physiker“: Erste Leseproben

    Die Probenarbeit für unsere diesjährige Produktion von „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt hat begonnen – und wie so oft startet alles mit den Leseproben. Doch was passiert eigentlich in einer Leseprobe?

    Leseproben sind im Theater der erste gemeinsame Zugang zum Stück. Hier geht es weniger um fertiges Spiel, sondern um ein erstes Verstehen: Wer sagt was – und vor allem warum? Figuren, Beziehungen und Konflikte werden hörbar, noch bevor sie sichtbar werden. Der Text wird gemeinsam entdeckt, Stimmungen werden ausgelotet, erste Ideen entstehen. Für das Ensemble ist das die Phase, in der man sich orientiert, ein Gefühl für Sprache, Rhythmus und Tonfall entwickelt – und beginnt, sich den Figuren anzunähern.

    Auch bei uns stand zunächst das gemeinsame Lesen im Mittelpunkt. Doch schon bald haben wir den klassischen Sitzkreis verlassen. Wir sind aufgestanden, haben begonnen, Szenen auszuprobieren, Wege zu gehen, Beziehungen körperlich zu denken. Erste Dialoge wurden nicht nur gesprochen, sondern gespielt, hinterfragt und variiert. Ein bewusst offener Prozess, in dem vieles erlaubt ist – und genau daraus entstehen oft die spannendsten Ansätze.

    Denn schnell wird klar: „Die Physiker“ ist kein leichtes Stück. Hinter scheinbar absurden Situationen verbirgt sich eine präzise, fast schon gnadenlose Analyse von Verantwortung, Macht und wissenschaftlicher Ethik. Dürrenmatt schreibt mit scharfem Witz – und trifft dabei ins Mark. Das Lachen bleibt einem dabei nicht selten im Hals stecken.

    Die ersten Proben zeigen bereits, welches Potenzial in diesem Text steckt. Wir stehen noch am Anfang – im Suchen, Ausprobieren und Verwerfen. Aber genau darin liegt die Kraft dieser Phase: Alles ist möglich, nichts ist festgelegt.

    Und eines lässt sich jetzt schon sagen: Diese „Physiker“ werden bitterböse.

  • Casting: Welche Rolle passt zu wem?

    Casting: Welche Rolle passt zu wem?

    Der Rodauner Theater Sommer ist stolz auf sein großes Ensemble: Mehr als 70 Menschen haben in den vergangenen Jahren bei unseren Produktionen mitgewirkt – in großen und kleinen Rollen, auf der Bühne, in der Musik oder hinter den Kulissen. Was unser Team auszeichnet, ist die Vielfalt der Talente: Von der professionellen Schauspielerin über routinierte und leidenschaftliche Vereinsspielerinnen und -spieler bis hin zu Menschen, die zum ersten Mal Bühnenluft schnuppern. Was uns alle verbindet, ist die Begeisterung für Theater, für Geschichten – und für das gemeinsame künstlerische Arbeiten.

    Am Beginn jeder neuen Produktion steht die große Frage: Wer spielt welche Rolle?
    Um das herauszufinden, treffen wir uns zu Castings. Dabei lesen wir gemeinsam Szenen aus dem Stück, probieren Rollen aus, improvisieren und experimentieren. Dieser Prozess macht nicht nur Spaß – er ist auch der Moment, in dem wir ein erstes Gefühl für das neue Stück bekommen: für die Figuren, für die Stimmung, für die Dynamik zwischen den Rollen.

    Ein wichtiger Teil unserer Arbeit passiert dabei tatsächlich am Tisch: Wir machen Fotos von allen, die sich für die Produktion bewerben, legen die Bilder nebeneinander, ordnen sie immer wieder neu und überlegen: Wer passt zu welcher Figur? Wer kann einer Rolle einen besonderen Körper, eine besondere Stimme, eine besondere Seele geben? Welche Konstellationen sind spannend?

    Dieser Casting-Prozess dauert in der Regel zwei bis vier Wochen. Am Ende steht die vielleicht schwierigste, aber wichtigste Entscheidung: die Besetzung.

  • Startschuss für „Die Physiker“ – Am Anfang war das Wort

    Startschuss für „Die Physiker“ – Am Anfang war das Wort

    Mit Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt hat für uns die Arbeit an einer neuen Produktion begonnen – und wie so oft startet alles ganz schlicht: mit den ersten Worten im Text des Autors.

    INSPEKTORIN
    (Die Kriminalinspektorin nimmt eine Zigarre aus einem Etui.)

    Man darf doch rauchen?

    OBERSCHWESTER
    Es ist nicht üblich.

    INSPEKTORIN
    Pardon.
    (Sie steckt die Zigarre zurück, Handschuhe werden angezogen)

    „Die Physiker“ führt uns in eine abgeschlossene Welt: eine psychiatrische Klinik, in der drei Wissenschaftler leben, die alle behaupten, berühmte Genies zu sein. Doch schnell wird klar – hinter dieser scheinbar absurden Ausgangssituation verbirgt sich ein dichtes Geflecht aus Geheimnissen, Täuschungen und großen Fragen. Dürrenmatt verhandelt in seinem Stück auf ebenso kluge wie bissige Weise Themen wie Verantwortung, Macht und die Gefahren von Wissen.

    Mehr wollen wir an dieser Stelle noch gar nicht verraten. Was wir aber schon sagen können: Bereits beim ersten gemeinsamen Lesen wird spürbar, wie viel Witz, Tempo und Abgründigkeit in diesem Text steckt. Zwischen Lachen und Nachdenken, zwischen Leichtigkeit und Ernst entsteht langsam eine Ahnung davon, in welche Richtung sich unsere Inszenierung entwickeln könnte.

    Wir stehen noch ganz am Anfang – aber genau darin liegt der Reiz: Alles ist möglich.

  • „Der Gott des Gemetzels“

    „Der Gott des Gemetzels“

    Zwei fulminante Vorstellungen von Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ gingen beim Rodauner Theater Sommer über die Bühne.

    Mit Yasmina Rezas Erfolgsstück „Gott des Gemetzels“ brachte der Rodauner Theater Sommer eine ebenso pointierte wie bissige Gesellschaftskomödie auf die Bühne. Was als höfliches Gespräch zweier Elternpaare beginnt, deren Kinder in eine Rauferei verwickelt waren, entwickelt sich rasch zu einem verbalen Schlagabtausch, bei dem die bürgerliche Fassade zunehmend ins Wanken gerät.

    In unserer Inszenierung stand vor allem das feine Kippen der Stimmung im Mittelpunkt: aus Höflichkeit wird Ehrlichkeit, aus Diplomatie wird Angriff, aus Gespräch wird ein Kampf – sehr komisch, sehr böse und erschreckend menschlich. Das Publikum erlebte einen Theaterabend voller Tempo, Wortwitz und großartiger Schauspielmomente, bei dem man sich an vielen Stellen ertappt fühlte: beim Lachen, beim Staunen – und vielleicht auch beim Wiedererkennen eigener Verhaltensmuster.

    „Gott des Gemetzels“ zeigte einmal mehr, wie nah Komödie und Tragödie beieinander liegen – und wie dünn die Schicht der Zivilisation manchmal ist.

  • „Betrogen“ – Liebe, Lüge und Selbsttäuschung

    „Betrogen“ – Liebe, Lüge und Selbsttäuschung

    Mit Harold Pinters „Betrogen“ stand beim Rodauner Theater Sommer ein leises, kluges und hochpräzises Kammerspiel auf dem Programm. Pinter erzählt die Geschichte einer Dreiecksbeziehung – allerdings rückwärts. Szene für Szene bewegt sich das Stück in die Vergangenheit und legt dabei Schicht für Schicht frei, was zwischen drei Menschen über Jahre hinweg verborgen, verschwiegen und vielleicht auch verdrängt wurde. Mit Katharina Hauer, Hans Lagers und Peter Wälten.

    Harold Pinters „Betrogen“ wurde 1978 uraufgeführt und erzählt die Geschichte einer außerehelichen Affäre. Emma und Jerry, ein Literaturagent und der beste Freund von Emmas Ehemann Robert, hatten über Jahre hinweg eine heimliche Affäre. Das Stück setzt zwei Jahre nach dem Ende dieser Affäre ein, als Emma Jerry gesteht, dass sie Robert alles gebeichtet habe. Doch im Verlauf der Rückblenden wird deutlich, dass Robert über die Jahre mehr wusste, als er vorgab. Wir freuen uns in dieser Kooperation mit dem Artefaktum Kulturverein Katharina Hauer als Emma, Peter Wälter als deren Ehemann Robert und Hans Lagers als Jerry auf der Rodauner Open-Air-Bühne zu sehen. Die Regie hat für diese Inszenierung Luisa Stachowiak übernommen. Sie hat vier Jahre lang am Nationaltheater Mannheim gearbeitet, bevor sie 2013 nach Wien kam und seitdem mit Inszenierungen am Pygmalion Theater, WerkX oder Off Theater erfolgreich ist.

    Betrogen: Peter Wälter, Katharina Hauer, Hans Lagers
    Betrogen: Peter Wälter, Katharina Hauer, Hans Lagers