In unserer aktuellen Regiebuchfassung gibt es eine ganz besondere Schlüsselszene: das „Geständnis dreier Physiker“.
Bei der gemeinsamen Arbeit an dieser Szene haben wir gemerkt, wie sich plötzlich etwas verschiebt. Die Figuren, die zuvor vielleicht noch wie Rollen wirkten, beginnen sich zu entblättern. Haltungen kippen, Gewissheiten geraten ins Wanken, und zwischen den Figuren entsteht eine neue, fast greifbare Spannung.

Was diese Szene so spannend macht: Sie lebt weniger von äußerer Aktion als von innerer Dynamik. Es ist ein konzentriertes Aufeinandertreffen – ein Ringen um Wahrheit, um Deutungshoheit, um das „Wer bin ich eigentlich?“ hinter den Fassaden. Genau hier wird sichtbar, wie fein Friedrich Dürrenmatt seine Figuren konstruiert hat: Jede Figur bringt ihre eigene Logik, ihre eigene Haltung und ihre eigene Form von „Vernunft“ mit.
In der Arbeit daran haben wir viel ausprobiert: Wie verändert sich eine Szene, wenn sie ganz ruhig gespielt wird? Wann kippt sie ins Bedrohliche? Wann entsteht Humor – und wann bleibt einem das Lachen im Hals stecken? Gerade dieses Changieren zwischen Leichtigkeit und Abgrund macht den Reiz dieser Passage aus.

Für uns im Ensemble ist diese Szene ein erster Moment, in dem sich die großen Themen des Stücks bündeln – ohne sie schon auszusprechen. Vieles bleibt offen, vieles nur angedeutet. Aber genau darin liegt die Kraft: Man spürt, dass hier etwas Entscheidendes passiert.
Und wir sind mittendrin im Entdecken.


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