Figuren im Fokus: Wer sind „Die Physiker“?

Mit Die Physiker entwirft Friedrich Dürrenmatt ein bitterböses Kammerspiel über Verantwortung, Macht und die Grenzen der Wissenschaft. Im Zentrum stehen drei scheinbar verrückte Physiker – und doch ist nichts, wie es scheint.

Johann Wilhelm Möbius gibt sich als genialer Wissenschaftler aus, der von König Salomo heimgesucht wird. Hinter der Fassade des Wahnsinns verbirgt sich jedoch ein klarer Entschluss: Möbius will seine gefährlichen Entdeckungen vor der Welt verstecken. Seine Entwicklung führt vom brillanten Forscher zum radikal Verantwortlichen, der bereit ist, sich selbst zu opfern.

Herbert Georg Beutler alias Newton und Ernst Heinrich Ernesti alias Einstein erscheinen zunächst als skurrile Insassen, entpuppen sich aber als Spione konkurrierender Mächte. Beide stehen für die politische Instrumentalisierung von Wissenschaft. Ihre Figuren kippen vom scheinbar Harmlosen ins Bedrohliche – und zeigen, wie Wissen zur Waffe wird.

Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd, die Leiterin der Anstalt, wirkt zunächst wie die ordnende Instanz. Doch gerade sie durchläuft die vielleicht erschreckendste Entwicklung: Aus der vermeintlich rationalen Ärztin wird eine machtbesessene Strippenzieherin, die die Erkenntnisse der Physiker für ihre eigenen Zwecke nutzt.

Dürrenmatt zeichnet seine Figuren bewusst überzeichnet – und führt sie gleichzeitig in eine beklemmende Realität. Am Ende steht die zentrale Frage: Wer ist hier eigentlich verrückt – und wer trägt die Verantwortung für das, was aus Wissen wird?

Und genau diesen Figuren sind wir in den Proben zuletzt mit viel Spielfreude auf den Grund gegangen: In einer launigen Einheit haben wir begonnen, die Charaktere erstmals wirklich „auf die Bühne zu stellen“, sie auszuprobieren, zuzuspitzen – und auch mit treffenden wie augenzwinkernden Bezeichnungen nicht gespart. Plötzlich wurden aus Textfiguren lebendige Persönlichkeiten. Dabei sind nicht nur spannende Ansätze für die Inszenierung entstanden, sondern auch einige herrlich schräge und lustige Fotos, die einen kleinen Blick hinter die Kulissen erlauben.

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