Zwischen Pflege und Macht – erste Gedanken zu den Kostümen

Kostümstudien zum Pflegepersonal

Parallel zur Arbeit am Text von Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt beginnt bei uns auch die visuelle Umsetzung der Inszenierung. Denn wie Figuren wirken, entscheidet sich nicht nur im Spiel – sondern ganz wesentlich auch im Kostüm.

Für die verschiedenen Figurengruppen suchen wir nach einem klaren, markanten Erscheinungsbild. Besonders spannend ist dabei das Personal der Anstalt: Oberschwester, Pflegerinnen und Pfleger sowie Fräulein Doktor von Zahnd. Sie bilden nach außen hin Ordnung, Struktur und Kontrolle – und genau das soll sich auch visuell widerspiegeln.

In ersten Experimenten hat sich ein kontrastreiches Farbkonzept herauskristallisiert: Schwarz und Weiß als Grundfarben, ergänzt durch gezielte rote Akzente. Die Kostüme erinnern einerseits an klassische Arbeitskleidung im Pflegebereich – klare Schnitte, funktionale Elemente, reduzierte Formen. Gleichzeitig kippt das Bild bewusst in Richtung Uniform: streng, kontrollierend, beinahe militärisch.

Gerade dieser doppelte Boden interessiert uns: Pflege steht für Fürsorge – Uniform für Macht. Dazwischen bewegt sich diese Figurengruppe.

Ein paar Ideen, die wir aktuell weiterdenken:

  • Strenge Silhouetten: Gerade Linien, klare Schnitte, kaum „weiche“ Stoffe. Das Personal wirkt dadurch wie ein geschlossenes System – fast austauschbar, funktional.
  • Hierarchien sichtbar machen:
    • Fräulein Doktor von Zahnd könnte sich durch subtil andere Materialien oder Schnitte abheben – etwa durch einen eleganteren, fast repräsentativen Mantel oder ein stärker strukturiertes Kostüm.
    • Die Oberschwester als „Scharnierfigur“ zwischen oben und unten: strenger als das Pflegepersonal, aber noch nicht so „herausgehoben“ wie von Zahnd.
  • Rote Akzente als Störmoment:
    Rot könnte punktuell eingesetzt werden – etwa als Naht, Handschuh, Lippenstift, Accessoire. Nicht dekorativ, sondern wie ein Hinweis auf das, was unter der Oberfläche brodelt: Kontrolle, Gefahr, vielleicht auch Gewalt.
  • Uniformierung vs. Individualität:
    Pflegerinnen und Pfleger könnten bewusst sehr ähnlich aussehen – fast identisch. Kleine Abweichungen (z. B. unterschiedlich getragene Elemente, minimale „Fehler“) könnten zeigen, dass unter der Oberfläche dennoch Individuen stecken.
  • Materialität:
    Glatte, leicht glänzende Stoffe (fast klinisch) im Kontrast zu raueren, „menschlicheren“ Materialien. Auch das könnte die Spannung zwischen Funktion und Persönlichkeit sichtbar machen.
  • Bewegung im Kostüm:
    Wie verhalten sich die Kostüme in der Bewegung? Rascheln sie? Sind sie starr? Gerade beim Pflegepersonal könnte eine gewisse Steifheit die Disziplin und Kontrolle unterstreichen.

So entsteht Schritt für Schritt ein visuelles Konzept, das nicht nur „gut aussieht“, sondern die inhaltlichen Ebenen des Stücks weiterträgt. Denn auch hier gilt: Bei Dürrenmatt ist nichts nur Oberfläche.

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