Der Schwierige, ein sprachgewaltiges Werk von Hofmannsthal, greift einerseits das Machtvakuum nach dem Ersten Weltkrieg auf und zeigt einen schwindenden und bedeutungslosen Adel. Im Stück diskutieren die Figuren über Notwendigkeit und Zufall und wie sehr Menschen Einfluss auf ihr Schicksal haben. 

In der Rodauner Inszenierung wird der 100 Jahre alte Text von Hofmannsthal in die Jetzt-Zeit transformiert. Die Figuren lieben und leiden im Heute eines kleinen Zirkus. Die Hauptfigur, bei Hofmannsthal der Graf Hans Karl Bühl, wird in Rodaun zum Zirkusdirektor, der alles so sehr bedenkt, dass Entscheidungen schwer fallen und schier ewig hinausgezögert werden, auch in Liebes- und Heiratssachen.

Sheila Gsöllpointner, Peta Klotzberg, Reinhard Schäfer, Andrea Fischer, Marcus Marschalek

Hans Karl Bühl träumt von der Unmittlelbarkeit und Absichtslosigkeit. Die findet er angeblich in einem Clown namens Furlani. In Hofmannsthals Original gibt es diesen Clown nur in der Erzählung von Hans Karl Bühl. In Rodaun wird er auf der Bühne lebendig und symbolisiert das “Ungelebte Leben” der Hauptfigur.

Marcus Marschalek siedelt in seiner Inszenierung, für die Katharina Hauer die Regiearbeit übernehmen wird, alle Figuren im Dunstkreis des Zirkus an und lässt das Theaterstück mit dem Ende einer Zirkusvorstellung beginnen. In Anlehnung an Nornen, schicksalsbestimmende Wesen in der nordischen Sagenwelt, treten eine Magierin, eine Kartenlegerin und eine Wahrsagerin auf. Sie haben einiges zu tun, denn nicht immer läuft das Stück so, wie Hofmannsthal es vorherbestimmt hat. Die Figuren entwickeln ein Eigenleben und das „Zeitrad“ muss immer wieder zurückgedreht werden, um alles „in Ordnung“ zu halten. 

Peta Klotzberg, Sheila Gsöllpointner, Andrea Fischer, Alice Zach, Marcus Marschalek

Peta Klotzberg wird die Regie für die eine oder andere Zirkusnummer übernehmen und Sheila Gsöllpointer choreographiert ein Flamingos-Clown-Ballett. Dazwischen gibt es viel Musik, die Ronald de Martin und Ulrich Dallinger schreiben und teilweise auch live auf der Bühne mit dem “Zirkusorchester” performen. Insgesamt sollen 29 Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne stehen.

Marcus Marschalek, Reinhard Schäfer, Sheila Gsöllpointner, Peta Klotzberg

Im Original, gleich zu Beginn, gibt es eine interessante Figur: Vinzenz wird als schroffer, überheblicher neuer Diener eingeführt. Hofmannsthal verliert die Figur des Vinzenz aber im Laufe des Stückes. In Rodaun darf Vinzenz weiterspielen und füllt den zunehmenden Bedeutungsverlust von Hans Karl Bühl selbstbewusst aus. Vinzenz entpuppt sich mehr und mehr als menschenverachtender, schroffer Blender, der mit Populismus das Zirkusvolk auf seine Seite zu ziehen versucht? „Let’s make the circus great again”, schmettert er in die Manege. 

Sheila Gsöllpointner