Spieltage: Mo. 31. Aug. und Di. 1. Sept. 2026 jeweils 19.30 Uhr bis ca. 21.30 Uhr – Tickets kaufen

Mit „Der Menschenfeind“ schuf Molière eine seiner schärfsten und zugleich persönlichsten Komödien. Im Zentrum steht Alceste, ein radikaler Wahrheitsfanatiker, der die Heuchelei, Eitelkeit und diplomatischen Maskenspiele seiner Umwelt verachtet. Er schwört, stets die Wahrheit zu sagen – kompromisslos und ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen. Doch genau diese Haltung macht ihn zum Außenseiter: Seine kompromisslose Ehrlichkeit bringt ihn in Konflikt mit der Gesellschaft und schließlich auch mit Célimène, die das Spiel der Höflichkeit, des Charmes und der sozialen Anpassung virtuos beherrscht.
Spannungsbogen zwischen Authentizität und Anpassung
Die Inszenierung liest den „Menschenfeind“ als hochaktuelles Stück über den Spannungsbogen zwischen Authentizität und Anpassung, zwischen persönlicher Integrität und sozialer Funktionsfähigkeit. Alceste verkörpert den radikalen Individualismus, der sich weigert, diplomatische Umwege zu gehen oder Unwahrheiten aus Höflichkeit zu dulden. Ihm gegenüber steht eine Gesellschaft, die auf Oberflächen, taktische Freundschaften und soziale Codes setzt – ein System, das zwar reibungslos funktioniert, aber moralisch hohl erscheint. Molières bissige Satire entlarvt diese Welt als von Egoismen, Selbstinszenierung und subtiler Manipulation geprägt.
Radikale Wahrhaftigkeit als Tragödie
Gleichzeitig bleibt das Stück bewusst ambivalent: Alcestes Wahrheitsanspruch ist ebenso konsequent wie destruktiv. Seine Weigerung, Kompromisse einzugehen, führt nicht zu Veränderung, sondern zu Isolation. Die Komödie entwickelt daraus eine präzise Tragikomik, in der das Publikum zwischen Mitleid und Schadenfreude schwankt. Die überzeichneten Figuren sorgen für Leichtigkeit und Humor, ohne die inhaltliche Schärfe der Gesellschaftskritik zu entschärfen.
Gegenwart statt Hofstaat
Die Regie von Luisa Stachowiak verortet das Stück konsequent in der Gegenwart. In modernen Kostümen und einer zeitgenössischen Ästhetik wird sichtbar, wie aktuell Molières Frage geblieben sind: Wie viel Wahrheit verträgt das soziale Miteinander? Wo beginnt Anpassung, wo endet Selbstverrat? Und ist radikale Ehrlichkeit ein moralisches Ideal – oder eine Form von Rücksichtslosigkeit?
Besetzt ist die Produktion mit Peter Wälter in der Titelrolle des Alceste sowie Emily Busvine, Finn Harland, Katharina Hauer, Hans Lagers, Andreas Ludwig, Louis Nostitz, Christoph Sautter und Annina Zechmeister. Gemeinsam erzählen sie eine kluge, unterhaltsame und zugleich unbequeme Geschichte über den Wunsch nach Aufrichtigkeit in einer Welt der Fassaden – ein Thema, das im 17. Jahrhundert ebenso brannte wie heute.
